VDA-Präsidentin: „Brauchen ab sofort etwa 2000 neue Ladepunkte pro Woche“

Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), setzt sich weiterhin für einen technologieoffenen Ansatz bei der Suche nach dem Antrieb der Zukunft ein. Der klassische Verbrenner hat ihrer Meinung nach noch lange nicht ausgedient und seine Daseinsberechtigung – sofern er künftig mit klimaneutralen Kraftstoffen betankt wird. Gleichzeitig setzt sie sich aber auch für die Elektromobilität ein, und fordert zum Beispiel einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Die Ladeinfrastruktur muss jetzt schnell deutlich besser werden“, sagt VDA-Präsidentin Müller in einem lesenswerten Interview mit dem Spiegel. Sie höre oft Klagen von E-Auto-Fahrern, vor allem in ländlichen Gebieten, dass Ladesäulen nicht nur spärlich zu finden, sondern häufig auch defekt oder von einem anderen Fahrzeug belegt seien. Über den aktuellen Boom bei den Zulassungszahlen von E-Autos freue sich der VDA „natürlich“. Er zeige, dass die Autoindustrie liefert, was sie versprochen hat. Die Dynamik zeige aber auch, dass dringend neue Ladepunkte installiert werden müssen, so die VDA-Präsidentin: „Aktuell werden in Deutschland mehr als 12.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride pro Woche neu zugelassen, aber nur 200 weitere Ladepunkte installiert“, sagt sie. „Die Folge: Eine öffentliche Ladesäule kommt momentan auf etwa 13 E-Autos, an Ostern 2021 werden sich nach unseren Prognosen bereits 20 E-Fahrzeuge eine Säule teilen müssen – wenn der Ausbau nicht erheblich beschleunigt wird.“

Zwar sehe der Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung vor, dass bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte aufgebaut sein sollen. Um dieses Ziel jedoch zu erreichen, „würden wir ab sofort etwa 2000 neue Ladepunkte pro Woche benötigen“ – also das Zehnfache dessen, was derzeit errichtet wird. VDA-Präsidentin Müller schlägt deshalb „gegenüber der Politik Alarm: Wenn es so weitergeht wie bisher, wird sich die E-Mobilität nicht in der Breite durchsetzen können.“ Man könne die Menschen nur schlecht dazu bringen, „Elektroautos zu kaufen, wenn sie die nicht überall aufladen können.“

„Jede Kommune braucht jetzt einen verbindlichen Umsetzungsplan“

Der Staat investiere zwar aktuell schon viel, etwa mit den bis zu 9000 Euro Umweltbonus und den 900 Euro pro privatem Ladepunkt, die es ab 24. November geben wird. Momentan allerdings hapere es beim Aufbau von Ladesäulen an der praktischen Umsetzung, bei der nicht nur die Bundesregierung in der Pflicht sei, sondern auch die Bürgermeister: „Jede Kommune braucht jetzt einen verbindlichen Umsetzungsplan, den sie konsequent vorantreiben muss“, fordert Müller. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass alle Ladesäulen intelligent vernetzt sind, „damit der Kunde mit einer App oder Ladekarte seiner Wahl durch ganz Deutschland kommt.

Zwar sei neben der Politik in Sachen Ausbau der Ladeinfrastruktur auch das Engagement von Mineralölkonzernen, Tankstellenbetreibern und Stromanbietern gefragt. Allerdings müsse die Politik einen beschleunigten Ausbau erst „möglich machen – indem sie die Planungsverfahren vereinfacht und beschleunigt und Ladestrom von der Erneuerbare-Energien-Umlage befreit, damit er billiger wird.“ Müller fordert im Spiegel-Interview „einen Ladegipfel mit der Autoindustrie, den Mineralöl- und Energiekonzernen, dem Einzelhandel, den Parkhausbetreibern, der Wohnungswirtschaft, mit Vertretern der Bundespolitik und der Kommunen“. Nur wenn alle mitziehen, könne es gelingen, „die großen Lücken im Ladenetz endlich zu schließen.

„Mit der richtigen Infrastruktur wird sich E-Mobilität schrittweise durchsetzen“

Mit der richtigen Infrastruktur“ werde sich die Elektromobilität „schrittweise durchsetzen, daran besteht kein Zweifel mehr“, so die VDA-Präsidentin, zumal das Angebot an Elektroautos „immer umfangreicher“ und „die Reichweiten höher“ werden. Und auch die bis zu 9000 Euro Umweltbonus seien „für den Markthochlauf der Elektromobilität ein wichtiges Instrument“.

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos dürften, so Müller, „2030 immer noch etwa 75 Prozent der Fahrzeuge auf den Straßen einen Verbrennungsmotor haben“. Damit diese CO2-neutral unterwegs sein können, müsse die Industrie „an synthetischen, nachhaltigen Kraftstoffen arbeiten“, so die VDA-Präsidentin. „Niemand“, und das gelte auch „für alle Hersteller auf der Welt“, könne sagen, „ob ein kompletter Ausstieg aus der Verbrennertechnik wirklich machbar und der richtige Weg“ sei. Das gemeinsame Ziel müsse aber auf jeden Fall „klimaneutrale Mobilität bis spätestens 2050“ sein. „Viele unterschätzen den enormen Aufwand, den dieses Ziel erfordert“, mahnt Müller.

Der Verbrenner an sich sei nicht das Problem, „sondern der eingesetzte Kraftstoff“. E-Fuels, zwar äußerst energieintensiv bei der Herstellung, könnten „einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, findet Müller: Synthetische Kraftstoffe könnten mit erneuerbarem Strom „dort erheblich effizienter erzeugt werden, wo die Sonne häufiger scheint und der Wind stärker weht“, was den Nachteil bei der Energieumwandlung wieder ausgleichen könne. „Diese Technologie wird also noch deutlich billiger werden“, sagt sie, weshalb die Bundesregierung einen Rahmen „für engagierte Forschung und Entwicklung“ setzen sollte.

Auch Wasserstoff und Brennstoffzelle seien mögliche Kandidaten für CO2-neutrale Mobilität, so die VDA-Präsidentin, nicht nur wie allgemein gerne propagiert für den Schwerlastverkehr. Grüner Wasserstoff werde „ein großes Thema“ werden, ist sich Müller sicher. Klimaneutraler Verkehr erfordere aber nicht nur eine Antriebswende, sondern auch eine Verkehrswende: „Wir brauchen bessere Bus- und Bahnangebote sowie mehr digitale Mobilitätskonzepte wie On-demand-Ride-Sharing oder selbstfahrende Shuttles“, sagt Müller. Auch bessere Fahrradwege seien wichtig „für alle, die ihren Alltag mit dem Rad bewältigen können“. Das gelte aber „nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung“.

Quelle: Spiegel – E-Auto-Strategie in Deutschland: „Wir brauchen 2000 neue Ladepunkte – pro Woche“

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